Vorlesungs­verzeichnis

NdL: Verhandlungen von Weiblichkeit in der Literatur der Zwischenkriegszeit

100033 PS 2021W

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Moodle

Vortragende:

ACHTUNG: Ab 23.11. findet die Lehrveranstaltung digital via Zoom statt!

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Hinweis: Das Proseminar ist als Präsenzveranstaltung geplant. Sollte dieser Modus aufgrund Corona-bedingter Einschränkungen nicht möglich sein, findet die Lehrveranstaltung digital (nicht hybrid!) statt.

„[D]as ‚Typisch-Weibliche‘ besteht ja eben darin, daß es das nicht mehr gibt“, stellt Alice Rühle-Gerstel 1929 fest. Die Möglichkeit politischer Teilhabe und ökonomischer Unabhängigkeit, eine zunehmend liberalisierte Familien- und Sexualmoral – all dies eröffnete Frauen* der Zwischenkriegszeit die Möglichkeit, Geschlechterrollen neu zu entwerfen. Die Literatur spielte dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle: Einerseits als das Medium, in dem neue Lebensweisen ausprobiert wurden, andererseits als Betätigungsfeld, in dem sich Frauen in bisher nie dagewesenem Umfang einen Platz erkämpften.

Schnell entwickelte sich hier ein bestimmter Prototyp: Bis heute bekannt sind die rauchenden, kurzhaarschnittigen, sportlichen und autofahrenden Frauen, die tagsüber im Büro arbeiten und nachts in den Tanzcafés der Großstädte unterwegs sind. Stilistisch waren die Texte von und über diese ‚Neuen Frauen‘ dafür bekannt, witzig, frech und kurzweilig zu sein. Neben ihrem Unterhaltungswert wurde ihnen aufgrund ihrer dokumentarischen Ausrichtung in erster Linie ein Wert als Zeitdokument zugesprochen. Diese neue ‚typische Weiblichkeit‘ im literarischen Bereich war aber vielfach auch eine Festschreibung. Noch 1933 geht beispielsweise Robert Neumann davon aus, dass dokumentarische Texte eben das einzige sind, das Frauen* im Stande seien zu schreiben, denn „sie [die Frau] ist nicht produktiv“.

Derlei Stereotypisierungen, die sich teilweise bis heute gehalten haben, werden im Proseminar kritisch hinterfragt – im Gegenzug wird Rühle-Gerstels Feststellung auch für den literarischen Bereich unterstellt. Entsprechend stehen die Heterogenität von Deutungsangeboten und die Vielseitigkeit ästhetischer Verfahren in der weiblichen Literaturproduktion der Zwischenkriegszeit im Fokus. Anhand der Texte bekannter Schriftstellerinnen wie Irmgard Keun oder Marieluise Fleißer, aber auch weniger bekannter Protagonistinnen wie Maria Lazar oder Maria Leitner wird die enorme Bandbreite an Stilen, verhandelten Themen und Genres in den Blick genommen, die weibliche Autor:innen bedienten und mittels derer sie sich in die andauernde (literarische) Verhandlung von Weiblichkeit einschalteten.

Achtung: Vor der Abgabe der Proseminararbeit ist ein Blind-peer-review-Verfahren vorgesehen, d.h. jede:r Teilnehmer:in reviewt die Arbeit einer/s Kolleg:in, umgekehrt wird auch die eigene Arbeit begutachtet. Bitte beachten Sie den Zeitplan und planen Sie die jeweiligen Arbeitsschritte ein! Details zum Peer-Review & den Anforderungen an die wissenschaftlichen Arbeiten werden im Verlauf des Proseminars ausführlich besprochen.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Bereitschaft, die Texte zu den jeweiligen Einheiten zu lesen und gemeinsam darüber zu diskutieren, wird vorausgesetzt.

- Kurzreferat (Gruppenreferat) in einer Einheit (20%)
- Blind-peer-Review einer Proseminararbeit einer/s Kolleg:in (20%)
- Proseminararbeit zu im Proseminar besprochenen Autorinnen/Themen (60%)

- Abgabe der Proseminararbeit bis spätestens 15. März & Übermittlung an die/den Peer-Reviewer:in,
- Peer-Review bis spätestens 31. März
- Überarbeitung und finale Abgabe bis spätestens 30. April

 

Literatur

Gelesen werden zeitgenössische Debatten um weibliches Schreiben, Texte von Judith Butler, Maria Lazar, Erika Mann, Marieluise Fleißer, Maria Leitner, Irmgard Keun etc. Der detaillierte Proseminar-Plan wird in der ersten Einheit vorgestellt.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- max. drei Fehleinheiten
- Kurzreferat und Blind-peer-Review einer Proseminararbeit
- positive Bewertung der Proseminararbeit

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.

Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeiten 15 Seiten Haupttext