Vorlesungs­verzeichnis

SpraWi: Weit genug gegendert?

Genderlinguistik im Widerspruch zur heteromaskulin-binären Grammatik und Lexik

100022 VO 2023S

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Moodle

Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Im Mittelpunkt der Vorlesung steht das Verhältnis der grammatischen Repräsentation aller Mensch:innen innerhalb der Grammatik und dabei insbesonders in Hinblick auf das morpho-semantische System. Hat sich im grammatischen Regelsystem seit Beginn der feministischen Linguisitik Ende der 70er Jahre mit der Kritik am generischen Maskulinum, als primus inter pares etwas Grundlegendes geändert? Oder ist es nicht vielmehr so, dass zwischen dem Gendern im Sprachgebrauch und dem grammatischen Regelsystem nach wie vor ein tiefer Graben besteht? Es existieren zurzeit viele Möglichkeiten, um auf alle zu referieren und sie zu repräsentieren. Im Gegensatz dazu tangieren diese kreativen Lösungen die traditionellen und präfeministischen Grammatikregeln nur oberflächlich.

Nach wie vor ist das generische Maskulinum als das Geschlecht gültig, das alle Mensch:innen mitmeinen kann, aber eben auch nur männlich gelesene Personen, in der Regel Heteromänner. Täuschen also all die Möglichkeiten, die das Gendern mit den neuesten Mitteln wie Gendergap, -sternchen oder -doppelpunkt bieten, über eine nach wie vor über hetero-maskuline Paradigmen in der Grammatik wie in der Lexik hinweg? Hat das grammatische männliche Geschlecht überhaupt etwas von seiner übergeordneten Funktion als das einzige Genus mit der Funktion/Bedeutung „Allgemeinmenschliches“ verloren?
Hat sich genug im binären Verhältnis der Genera feminin und maskulin geändert, um einfach nur additiv ein drittes belebtes Genus hinzufügen zu können? Das heißt, wie weit ist die Symmetrie unter den binären Pronomen „sie“ und „er“ bereits etabliert, um ein entsprechendes non-binäres Neopronomen wie z.B. „xier“ oder „sier“ einfach nur hinzuzufügen, um auf alle genderneutral Bezug nehmen zu können?

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

4 Prüfungstermine in Form eines schriftlichen Kolloquiums (Dauer 90 min): Letzte Einheit im SoSe 2023, dann jeweils zu Beginn, in der Mitte und Ende des WiSe 2023. Die Termine werden rechtzeitig über Moodle bekanntgegeben. Der 4. Antritt muss kommissionell erfolgen. Es dürfen keinerlei Hilfsmittel verwendet werden. Beim Verdacht auf Verwendung von Hilfsmitteln wird ein mündlicher Plausibilitätscheck durchgeführt.
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

 

Literatur

- Literaturhinweise werden zu Beginn sowie während des Semesters gegeben.
- Einführende Literatur:
Günthner, Susanne, Spieß, Constanze und Dagmar Hüpper. Genderlinguistik. Sprachliche Konstruktionen von Geschlechtsidentität. De Gruyter, 2012.
Kotthoff, Helga, and Damaris Nübling. Genderlinguistik. Narr Francke Attempto, 2018.
Pober, Maria. Gendersymmetrie. Überlegungen zur geschlechtersymmetrischen Struktur eines Genderwörterbuchs im Deutschen. Königshausen & Neumann, 2007.

 

Prüfungsstoff

- Inhalte der Vorlesung
- Begleitende Literatur

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Erreichen von mindestens 50% der erreichbaren 100% bei der schriftlichen Prüfung.