Vorlesung NdL: Antikriegsliteratur
100018 VO 2025W
Vortragende:
Nächster Termin
Donnerstag, 15.01.2026 13:15-14:45 Hörsaal 33 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 7
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Die Aktualität des Themas muss angesichts des russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Ereignisse in Israel und Gaza nicht eigens betont werden. Es stellt sich aber die Frage, was die Literatur zu Krieg und Vernichtung zu sagen hat, inwiefern sie eine Kultur der Gewalt sichtbar und verstehbar machen kann, die lange vor dem Schlachtfeld begonnen hat. Zu fragen ist, ob die Literatur nicht ein anderes Sprechen, einen anderen Blick auf die Zerstörungen, das Leid und die davon betroffenen oder für sie verantwortlichen Menschen, auf Opfer und Täter, entwickeln kann, als wir es von den Militärstrateg:innen und Kriegsberichterstatter:innen in den Medien gewohnt sind. „Ungeheuer ist viel, und nichts ist ungeheurer als der Mensch“, heißt es (in Friedrich Hölderlins Übersetzung) in der Antigone des Sophokles, einem der frühesten Texte der abendländischen Literatur, der die moralischen Verwüstungen in Kriegszeiten thematisiert und die Spaltung der Menschen in Freunde und Feinde kritisiert.
In der Vorlesung werden wir uns sowohl mit klassischen als auch mit wenig bekannten Texten der deutschsprachigen Literatur vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart beschäftigen, die sich gegen Krieg und Kriegspropaganda, gegen Heldenmythen und Manipulation gewendet haben. In ihrer illusionslosen, tieftraurigen „Klagenfurter Rede zur Literatur 2023“ sagte die ukrainische Autorin Tanja Maljartschuk: „Und so treffen sie sich: die Literatur und die Realität. Und die Realität gewinnt jedes Mal, und die Literatur verliert, denn sie bietet die Rettung für einzelne, aber nie für alle zusammen. Sie ist schön, aber hilflos wie ein Wald der blühenden Bäume. Was sie vielleicht kann: Den Opfern in dunklen Tälern eine Stimme geben, beim Schreien und beim Schweigen zuhören, sie stärker machen, damit die Umbringer, Auslöscher, Verbrecher und Gauner, all jene, die überzeugt sind, mehr Recht zu haben und besser zu sein als die anderen, endlich nicht mehr die Oberhand behalten. Damit, wie Ingeborg [Bachmann] sagt, ein Tag komme, an dem die Hände der Menschen »begabt sein werden für die Liebe und […] für die Güte«.“
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Literatur
Primärliteratur (Änderungen vorbehalten):
1. Bertha von Suttner: Die Waffen nieder! (1889)
2. Andreas Latzko: Menschen im Krieg (1917)
3. Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues (1929)
4. Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder (UA 1941)
5. Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür (1947)
6. Heinrich Böll: Wanderer, kommst du nach Spa… (1950)
7. Gert Ledig: Vergeltung (1956)
8. Hans Erich Nossack: Der Untergang (1948)
9. W.G. Sebald: Luftkrieg und Literatur (1999)
10. Erich Fried: und vietnam und (1966)
11. Christa Wolf: Kassandra (1983)
12. Susanne Fritz: Wie kommt der Krieg ins Kind (2018)
13. Arno Geiger: Unter der Drachenwand (2018)
14. Ronya Othmann: Vierundsiebzig (2024)
15. Katja Petrowskaja: als wäre es vorbei (2025)
Prüfungsstoff
Vorgetragene Vorlesungsinhalte + genaue Lektüre von 7 ausgewählten Büchern aus der Literaturliste
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Mündliche Abschlussprüfung
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
