Vorlesungs­verzeichnis

ÄdL: Freundschaft und/oder Liebe

100010 VO 2022W

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Vortragende:

Nächster Termin

Tuesday, 04.10.2022 13:15-14:45 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Noch bevor sich das Thema der Geschlechterliebe etabliert, ist das Thema Freundschaft in der Literatur des Mittelalters ausgeprägt: In der ‚Chanson de Roland‘ liefert das Modell der Kriegerfreundschaft zwischen Roland und Olivier ein zentrales Motiv. Hier wie in späteren Rolandsliedfassungen des Pfaffen Konrad und des Stricker wird die Rolle von Frauen im Text fast vollständig reduziert und an den Rand gedrängt. Dann aber sieht es so aus, als ob im höfischen Roman die Liebe als Thema die Freundschaftsthematik an den Rand drängt: Der Artusroman scheint zumindest an der Textoberfläche die Liebes- und Ehethematik zu privilegieren (auch wenn es oft vielleicht doch eher um Ehe und Herrschaft geht). Doch zeigt ein genauerer Blick in die Überlieferung, dass Freundschaft (die im weltlichen Bereich fast ausschließlich als männliches Phänomen thematisiert wird) bestehen bleibt. Daneben zeigen sich auch enge Beziehungen zwischen Frauen in der mittelalterlichen Literatur, doch werden sie oft anders figuriert als die zwischen Männern, nämlich als Herrin und Vertraute. Diesen drei konkurrierenden Modellen: Freundschaft Mann-Mann; Vertraute/Freundschaft Frau-Frau und der heteronormativen Liebesbeziehung Frau-Mann (innerhalb und außerhalb der Ehe) soll, gerade auch in Bezug auf ihr Konkurrenz- oder Komplementärverhältnis, nachgegangen werden. Im Zentrum der Vorlesung stehen dabei – nach einigen theoretischen Vorüberlegungen – vornehmlich Texte aus der Tradition der Chanson de Geste und des Tristan-Stoffes, der Prosa-Lancelot und vergleichend einige andere Artusromane beginnend mit der frühhöfischen Zeit bis hin zur frühen Neuzeit.
Ein detaillierterer Plan der Vorlesung wird in der ersten Sitzung vorgestellt, ebenso welche Texte genauer besprochen und welche in Vorbereitung auf die Klausur verbindlich gelesen werden sollen. Am Schluss hat die Vorlesung hoffentlich einen gendertheoretisch wie gattungstheoretisch und sozialgeschichtlich aufschlussreichen literaturgeschichtlichen Überblick geboten.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Klausur (mit erstens: konkreten, kurz zu beantwortenden Fragen und zweitens: einem Essay).

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

 

Literatur

Eine mögliche Einführung in viele Probleme, die in der Vorlesung behandelt werden, könnte sein: Stephen Jaeger: Ennobling Love. In search of a lost sensibility. Philadelphia: University of Pennsylvania Press 1999 (kapitelweise online verfügbar)

 

Prüfungsstoff

Die genaue Kenntnis mindestens eines größeren Primärtextes wird erwartet. Genauere Angaben zu den vorausgesetzten Primärtexten folgen in der Vorlesung.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die in der Vorlesung vermittelten Kenntnisse und Inhalte, angemessene Kenntnis der behandelten Primärtexte. Zum erfolgreichen Bestehen der Klausur ist sowohl im ersten wie im zweiten Aufgabenkomplex mindestens ein ‚genügend‘ (=50% der möglichen Punkte) erforderlich.