Vorlesungs­verzeichnis

Kulturgeschichte des euro-atlantischen Raumes im globalen Kontext

070028 VO 2024S

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Nächster Termin

Dienstag, 25.06.2024 16:45-18:15 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Kulturgeschichte ist zugleich begriffliches Chamäleon und weites Feld von Konzepten, auf welchem sich mittlerweile jeder Historiker anders bewegt. Ursprünglich als Bereich entstanden, der sich allen kulturellen Errungenschaften der Menschheit widmet, war er für seine Erfinder in der Aufklärung vor allem als Ode an die Hochkultur (v.a. antike Architektur, Kunst und Literatur) gedacht. Später verschob sich der Fokus mit der Entwicklung der moderner Nationalstaaten auf die Geschichte der Völker und die Entstehung von Hochkulturen. Doch erst das 20. Jahrhundert wurde Kulturgeschichte methodisch und inhaltlich zu jenem breiten Strom, der nicht nur mit Kunst und Wissenschaft zu tun hat, sondern auch auf andere Teilbereiche fokussiert, wie etwa soziale Strukturen, Sprachen sowie andere Zeichensystem, Bräuche und Traditionen oder die Manifestationen unterschiedlicher Religionen. In den 1990er Jahren gerieten die Konzepte Kulturgeschichte unter dem Einfluss der Postmoderne abermals in Bewegung: Es fielen nicht nur die methodischen Grenzen der einzelnen Fachbereiche; auch brachte die neue Kulturgeschichte (New Cultural History) neue Perspektiven mit sich, etwa die Fokussierung auf symbolische Formen der Vergangenheit oder Zeichen, politische Sprachen oder Rituale in all ihren Formen. Letzteres war ein zweischneidiges Schwert, denn es brachte einerseits Schwung in bisher eher traditionsverbundene historische Fachbereiche, andererseits aber auch eine gewisse Beliebigkeit mit sich: jeder konnte sich auf einmal Kulturhistoriker nennen, ohne wirklich mit den Methoden oder der Genese ihre Themenbereiche vertraut zu sein. Doch die Lebendigkeit des Fachbereiches ist ungebrochen, was etwa die gegenwärtige Auseinandersetzung mit Kolonialismus, Queer studies, oder dem Einfluss sozialer Medien und KI auf die Gesellschaft zeigt. Ziel der Vorlesung wir sein, sich der Geschichte der Europäischen und Nordamerikanischen Kulturgeschichte anzunähern, ihre Vordenker:innen, Haupt- und Nebenströmungen unter die Lupe zu nehmen sowie deren ausgewählte Texte zu analysieren.

Ziel der Vorlesung ist:

- Ein genereller Überblick über die verschiedenen Entwicklungsstörungen der Kulturgeschichte seit der Aufklärung: Was ist Kulturgeschichte und was ist sie nicht?
- Tiefensonden zu spezifischen historischen Kontext dieser Entwicklungen und den Forscher:innen, die diese angestoßen haben.
- Anhand ausgewählter Schlagworte (z.B. Objekt– Tatsache – Wahrheit, Kontingenz – Diskontinuität – Zufall; Sprache – Narrativität) und Konzepte (z.B. Die Kulturgeschichte des Politischen, Gender und Queer Studies, Mikrohistorie und Mentalitätsgeschichte), welche unsere heutige Geschichtswahrnehmung prägen, unterschiedliche kulturhistorische Methoden vorstellen.
- Schlüsseltexte zur Kulturgeschichte lesen und verstehen lernen.

Methode:

Die Inhalte der Lehrveranstaltung werden in der Vorlesung (1,5 h/Sitzung) und durch ergänzendes Selbststudium (4h/Sitzung) vermittelt. Dabei werden die einzelnen Sequenzen in drei Blöcken erschlossen: Einer Charakterisierung über Strukturen und Ereignisse und Akteure, dem methodischen Spektrum und sowie durch eine punktuelle Vertiefung anhand ausgewählter Texte.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

1. Die schriftliche Prüfung basiert auf den Inhalten der Vorlesung. Vortagsinhalte und Bibliographie werden auf der Lernplattform zur Verfügung gestellt. Den Studierenden ist empfohlen, sowohl die Werke in der Kurzbibliographie als auch die vertiefenden Ergänzungen (Aufsätze) eigenständig zu konsultieren.
2. Zur Vorbereitung der Prüfung dienen die eigenen Vorlesungsnotizen sowie Exzerpte aus Werken in der Kurzbibliographie und allfälliger, ergänzender Aufsätze.
3. In der zweitletzten Sitzung wird die Struktur der Prüfung anhand von Musterfragen erläutert

 

Literatur

Ahrendt, Hannah; Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. München u. Zürich 1986, 122008.
Assmann, Aleida; Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München 52010.
Barthes, Roland; Mythen des Alltags. Frankfurt a. M. 62022.
Barthes, Roland; Elemente der Semiologie, Frankfurt a. M. 1979.
Burke, Peter; Was ist Kulturgeschichte?, Frankfurt a. M. 2005.
Butler, Judith; Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt a. M. 1991.
Daniel, Ute; Kompendium Kulturgeschichte – Theorien, Praxis, Schlüsselwörter. Frankfurt a. M. 52006.
Eco, Umberto; Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte, Frankfurt a. M. 1977.
Eco, Umberto; Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen, München 21991.
Foucault, Michel; Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, Frankfurt a. M. 202024.
Foucault, Michel: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt a. M. 1983.
Gingburg, Carlo: Spurensicherungen: Über verborgene Geschichte, Kunst und soziales Gedächtnis, Berlin 1983.
Landwehr, Achim; Kulturgeschichte. (= UTB, Band 3037), Stuttgart 2009.
Laufenberg, Mike, Trott Ben (Hg.), Queer Studies, Schlüsseltexte, Frankfurt a. M. 2023.
Ruoff, Michael; Foucault-Lexikon. Entwicklung – Kernbegriffe – Zusammenhänge, Paderborn 42018
Stollberg-Rillinger; Was heißt Kulturgeschichte des Politischen? (= Zeitschrift für Historische Forschung. Beihefte 35), Berlin 2005.
Müller-Funk, Wolfgang; Kulturtheorie. Einführung in Schlüsseltexte der Kulturwissenschaften, Stuttgart 32023.
White, Hayden; Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa. Frankfurt a. M. 1991.
Wehler, Hans-Ulrich; Die Herausforderung der Kulturgeschichte, München 1998.

 

Prüfungsstoff

Zum Prüfungsstoff gehören sowohl die Inhalte der Vorlesung als auch die angegebene Pflichtlektüre.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Leistungsbeurteilung erfolgt anhand einer zweistündigen, schriftlichen Prüfung. Ihr Inhalt umfasst Fragen zum vermittelten Wissen und zum allgemeinen Verständnis des Lernstoffes. Grundalge ist dabei sowohl der Vorlesungsstoff, als auch die ergänzende Pflichtlektüre. Die Prüfung wird dann als positiv bewertet, wenn die Leistungen in beiden Bereichen als genügend erachtet werden.