Forschungs- und Lehrgegenstand des Fachbereichs Deutsch als Fremd- und Zweitsprache ist die unterrichtliche und nicht-unterrichtliche Aneignung des Deutschen durch Personen mit anderen Erstsprachen im Kontext von Mehrsprachigkeit unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, sprachlicher, institutioneller und politischer Rahmenbedingungen, sowohl inner- als auch außerhalb der amtlich deutschsprachigen Regionen. Im Detail geht es vor allem um die Bearbeitung eines breiten Spektrums von Aspekten der didaktisch-methodischen Gestaltung von verschiedenen Unterrichtskonzepten und der Professionalisierung von angehenden und praktizierenden Lehrkräften in der Schul- und Erwachsenenbildung, wobei im Zuge einer interdisziplinären Herangehensweise unterschiedliche theoretische Grundlagen herangezogen werden.
Gäste am Fachbereich
Vom Sprach- zum Kulturtransfer: Das Beispiel des deutsch-albanischen Sprachkontakts
Gastvortrag von Blertë Ismajli
Universität Prishtina
Datum: Freitag, 13.06.2025
Uhrzeit: 17:30 – 18:15 Uhr
Ort: Seminarraum 1, Hauptgebäude, Tiefparterre, Stiege 9, Hof 3
Organisation: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm
Dieser Vortrag möchte den durch albanische Migrationen bedingten breiteren Kulturtransfer zwischen den deutschsprachigen Ländern im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen und den albanischsprachigen Ländern und Regionen auf dem Westbalkan im Allgemeinen und Kosovo im Speziellen untersuchen. Es handelt sich dabei um einen durch die Migration verursachten Erfahrungswandel in den Herkunftsländern auf mehreren Ebenen: der wirtschaftlichen, kulturellen und sprachlichen Ebene. Die Besonderheit dieses Transfers liegt darin, dass der in Südosteuropa weit verbreitete wirtschaftliche Transfer nirgends sonst zu einem vergleichbar umfassenden Kultur- und Sprachtransfer geführt hat. Innerhalb der albanischsprachigen Länder und Regionen haben wir eine weitere Besonderheit, dass in Albanien aufgrund des jungen Alters dieses Transfers, der erst nach der politischen Wende der 1990er Jahre eintrat, der deutsche Sprachtransfer teilweise ausgeblieben ist, wodurch innerhalb des Albanischen die Germanismen eins der wichtigsten plurizentrischen Merkmale darstellen. Unter Sprachtransfer verstehen wir aber nicht nur die Verbreitung von Germanismen im Albanischen, sondern auch die Verbreitung der deutschen Sprache auf dem albanischen Westbalkan. Sie stellt inzwischen eine Fremdsprache dar, die sich auf Augenhöhe mit dem global prestigereichen Englisch befindet.
Die Rolle der Migration ist nicht immer offensichtlich, weil deutscher Sprachtransfer auf dem ex-jugoslawischen Raum Tradition hat, jedoch hilft die soziolinguistische Herangehensweise der Untersuchung dieser Lehnschicht, genau diese Schnittstelle zwischen dem gemeinjugoslawischen und gesonderten albanischen Transferweg der Germanismen zu untersuchen. Auch der kulturelle Bereich ist aufgrund der Felder, auf denen sich die deutsche Kultur etabliert hat, wie auf dem Handwerk, nicht immer einfach vom ex-jugoslawischen Transferweg zu trennen, doch helfen auch hier soziokulturelle Herangehensweisen über das Alter des Bereichs, beispielsweise auf dem Handwerk, das Alter und die Transferwege ausfindig zu machen.
Blertë Ismajli ist Dozentin für die deutsche Sprache und DaF an der Abteilung für Germanistik der Universität Prishtina. Sie promovierte am Institut für Germanistik an der Universität Wien (OeAD-Stipendiatin). Seit Oktober 2024 leitet sie die Abteilung für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Prishtina. Ihre Forschungsfelder sind: Kontrastive Morpho-Syntax mit dem Fokus auf die Verbmodi als grammatische Kategorie und die Modalität als semantische Kategorie, Übersetzbarkeit von Sprachmitteln zur Äußerung der Modalität, Erwerb von diesen Sprachmitteln in DaF, Status der deutschen Sprache in Kosovo. Sie ist Autorin von zahlreichen Artikeln, Monographien, Sammelbänden und Organisatorin mehrerer Konferenzen, Sommerschulen, Lesungen und Ausstellungen deutschsprachiger Autoren in Kosovo. Sie hat mehrere Erasmus+-Aufenthalte an Universitäten in Deutschland, Tschechien, Italien, sowie einige Forschungsaufenthalte am Institut für Germanistik der Universität Wien absolviert.
Die Stellung der deutschen Sprache im Kosovo
Gastvortrag von Milote Sadiku
Universität Prishtina
Datum: Freitag, 13.06.2025
Uhrzeit: 16:45 – 17:30 Uhr
Ort: Seminarraum 1, Hauptgebäude, Tiefparterre, Stiege 9, Hof 3
Organisation: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm
In einem Zeitalter, in dem Englisch als Lingua Franca auf allen gesellschaftlichen Ebenen an Bedeutung gewinnt, ergibt sich eine besondere Chance für die deutsche Sprache im Kosovo. Nach Englisch ist Deutsch heute am meisten gewählte Fremdsprache in Kosovo. In dieser Vorlesung wird die Stellung der deutschen Sprache sowie das Lehren und Lernen des Deutschen als Fremdsprache im Kosovo thematisiert. Deutsch wird in Kosovo erst seit den 1990-er Jahren als ein Studienfach angeboten: 1992 wurde die Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur an der Philologischen Fakultät der Universität Prishtina gegründet. Während in den Lehrplänen der Schulen im Kosovo, Deutsch ist seit 2017 als Pflichtfremdsprache neben Englisch verankert.
In den letzten Jahren besteht eine besondere sozioökonomische Situation, die wieder zu hohem Interesse an Deutschkenntnissen bzw. –unterricht führt. Einerseits wurde durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (am 1. März 2020 in Kraft getreten) eine bedarfsgerechte Zuwanderung aus Drittstaaten nach Deutschland ermöglicht. Andererseits gibt es eine immer größere Anzahl an Unternehmen, die mit deutschen Unternehmen zusammenarbeiten und in diesem Gebiet spielen kosovarische Migranten eine wichtige Rolle. Obwohl die Bewerberzahlen für Studienplätze einen signifikanten Rückgang verzeichnen, erfreut sich das Studium der Deutschen Sprache in Prishtina anhaltend großer Beliebtheit. Der Studiengang „Deutsche Sprache und Literatur“ gehört zu den hoch frequentierten Studiengängen, der bei weitem nicht allen Bewerberinnen und Bewerbern einen Studienplatz anbieten kann.
Das große Interesse an der deutschen Sprache sowie der Bedarf an Lehrkräften sowohl in öffentlichen wie auch privaten Schulen haben dazu geführt, dass mit dem Wintersemester 2021/2022 der Masterstudiengang „Deutsch als Fremdsprache“ seine Tätigkeit aufgenommen hat. Das Curriculum dieses Studiengangs legt den Schwerpunkt auf Methodik und Didaktik des Deutschen als Fremdsprache und hat einen stark praxisbezogenen Ansatz.
Milote Sadiku ist Professorin an der Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur der Universität Prishtina. Sie promovierte an der Philologischen Fakultät der Universität Prishtina im Bereich der kontrastiven Phraseologie. Seit Oktober 2020 ist sie Vizedekanin für Internationale Beziehungen der Philologischen Fakultät. Ihre Forschungsfelder sind: Phraseologie – mit dem Focus auf der Deutsch-Albanischen kontrastiven Phraseologie, Lexikologie, Wortbildung, kontrastive Linguistik, Methodik/Didaktik des Deutschen als Fremdsprache. Sie hat zahlreiche Artikel veröffentlicht, an mehreren internationalen Konferenzen vorgetragen.
Fake news vor 100 Jahren, DaF-Unterricht heute
Gastvortrag von Dr. Sandie Attia
Université de La Réunion
Datum: Freitag, 27.06.2025
Uhrzeit: 18:30-20:00 Uhr
Online: Der Link wird zeitnah an alle angemeldeten Teilnehmer*innen verschickt. Anmeldungen bitte an Julia Neubauer-Lipp (julia.neubauer-lipp@univie.ac.at).
Organisation: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm
Vor genau hundert Jahren, kurz nach dem Ende des deutschen Kolonialreichs, verwendete Heinrich Schnee zum ersten Mal den Ausdruck „koloniale Schuldlüge“¹. Damit spielte der ehemalige Gouverneur von Deutsch-Ostafrika auf die seiner Meinung nach ungerechte Entscheidung des Versailler Vertrags an, der den Deutschen ihre Kolonien entzogen hatte, weil sie unfähig gewesen seien, sie richtig zu verwalten. Indem Schnee den Alliierten Lügen unterstellte, bereitete er den Weg für den Kolonialrevisionismus, der in der Weimarer Republik und später in der NS-Diktatur wiederum (Selbst)lügen und alternative (Un)wahrheiten propagieren sollte. Das breite Spannungsfeld der damaligen Stellungnahmen reichte von der bloßen nostalgischen Verklärung der ehemaligen Kolonien über die aggressive Forderung nach ihrer Rückeroberung bis hin zur schlichten Leugnung ihres Verlusts.
An der Université de La Réunion enthalten die Bestände des Fonds Polényk² mehrere Dutzend Bücher, die zahlreiche Facetten dieses „Kolonialismus ohne Kolonien“³ aufzeigen. Ausgehend von dieser privaten Sammlung soll ein besonderer Fokus auf die Beziehungen zwischen den verlorenen deutschen Kolonien und einer deutschen Jugend, die sie nie kennengelernt hat, gelegt werden. Wie wurde der koloniale Gedanke kurz nach dem Versailler Vertrag unter der deutschen Jugend verbreitet? Und wie kann hundert Jahre später die damalige Kolonialfrage von deutsch-französischen Studierenden wieder aufgegriffen und im DaF-Unterricht behandelt werden?
Der Fonds Polényk liefert extreme Beispiele für Manipulation und Propaganda, die noch vor wenigen Jahrzehnten wirksam waren. Er lädt aber auch dazu ein, deren Mechanismen zu entlarven und der Jugend des 21. Jahrhunderts die kritischen Werkzeuge an die Hand zu geben, die eben den früheren Generationen wissentlich vorenthalten wurden. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei dem 2022 gegründeten deutsch-französischen Studiengang „Franko-Germanistische Studien: Deutschsprachiger Raum und Überseefrankreich“ gewidmet werden. Auf der Insel Réunion, auch einer ehemaligen (französischen) Kolonie, arbeiten nun deutsche und französische Studierende gemeinsam über die koloniale Vergangenheit ihrer Länder und deren schwierigen Umgang mit kolonialen Wunschträumen und gegenseitigen Lügenunterstellungen.
Dr. Sandie Attia ist seit 2010 maître de conférences (Dozentin) an der Université de La Réunion, einem französischen Übersee-Département im Indischen Ozean. Dort ist sie Leiterin der Germanistikabteilung und des binationalen Studiengangs „Franko-Germanistische Studien: Deutschsprachiger Raum und Überseefrankreich“ (Université de La Réunion / Ruhr-Universität Bochum, gefördert von der Deutsch-Französischen Hochschule). Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die deutschsprachige Lyrik nach 1945 (Dissertation 2009 zum Thema „Zeichen und Spuren in der Lyrik Günter Eichs“ im binationalen Promotionsverfahren Université Paris-Sorbonne / Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), der deutsche Kolonialismus und der Kolonialrevisionismus; Archivforschung und Wissenstransfer; Beziehung von Text und Bild; Fotoalbum und Literatur. (mehr …)
Deutsch als Fremdsprache in Namibia – Perspektiven auf Sprachvermittlung in einer hochgradig mehrsprachigen Gesellschaft
Gastvortrag von Dr. Gerda E. Wittmann
University of Namibia
Datum: Montag, 02.06.2025
Uhrzeit: 11:30-13:00 Uhr
Online: Der Link wird zeitnah an alle angemeldeten Teilnehmer*innen verschickt. Anmeldungen bitte an Julia Neubauer-Lipp (julia.neubauer-lipp@univie.ac.at).
Organisation: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm
Die Förderung und der Einbezug von Mehrsprachigkeit in den Fremdsprachenunterricht sind in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Anliegen geworden (May 2014; Pennycook/Otsuji 2015). In Namibia ist Mehrsprachigkeit im Alltag nicht nur präsent, sondern auch in der Verfassung verankert. Während Englisch offizielle Amtssprache ist, zählt Deutsch neben den gelisteten namibischen Sprachen auch offiziell als Landessprache und wird an Schulen auf Erst-, als auch auf Fremdsprachenniveau unterrichtet. Auch an der University of Namibia erfreut sich die German Section an rasant steigenden Studierendenzahlen.
In diesem Vortrag soll auf die Rolle auf der deutschen Sprache, in der Sprachpolitik Namibias eingegangen werden. Hierbei interessiert vor allem das namibische Bildungssystem und die Rolle, die der deutschen Sprache zugeschrieben wird. Es soll bei diesem Vortrag insbesondere auf Entwicklungen im Bereich Deutsch als Fremdsprache eingegangen werden, um herauszuarbeiten, welche besondere Rolle das Fach in Namibia, aber auch im südlichen Afrika, spielt und eventuell auch in Zukunft spielen wird.
Gerda-Elisabeth Wittmann studierte an der Stellenbosch Universität u.a. Germanistik. An der North-West University in Südafrika leitete sie 2010 die Deutschabteilung und promovierte 2021 in Erziehungswissenschaften. Sie befasst sich in ihrer Forschung mit autonomem Lernen, Blended Learning und der Fort- und Weiterbildung von Deutschlehrkräften, die bereits im Beruf stehen und veröffentlichte hierzu mehrere wissenschaftliche Artikel. Seit 2022 ist Gerda Wittmann an der University of Namibia tätig, deren Deutschabteilung sie seit 2023 leitet.
Prof. Dr. Ewout van der Knaap: Zwei literaturdidaktische Vorträge
Gastvortrag von Prof. Dr. Ewout van der Knaap
Universität Utrecht, Niederlande
Datum: Samstag, 31.05.2025
Ort: Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Organisation: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm
Es besteht Konsens darüber, dass literarische Texte Quelle sein können für ästhetische, moralische und geistige Bildung. Literarische Texte unterschiedlichen Typus und unterschiedlichster Komplexität ermöglichen im kommunikativen Sprachenunterricht außerdem Chancen für die Entwicklung der Lesefertigkeit und der Sprechfertigkeit. In zwei aktivierenden Vorträgen werden die Teilnehmenden angeregt, didaktisches Repertoire zu erweitern und diskutieren.
11:15-13:00 Uhr: Didaktisches Potenzial von literarischen Texten im DaF/DaZ-Unterricht
Im ersten aktivierenden Vortrag geht es um Möglichkeiten des extensiven und des intensiven Lesens. Wie sieht eine erfolgreiche Didaktik des freien Lesens aus? Und wie lässt sich der Austausch über Handlungsstränge und Figuren sinnvoll anregen? Kriterien und Kompetenzmodelle, die bei der Textauswahl eine Rolle spielen, werden erörtert.
13:15-14:45 Uhr: Interkulturelle Literaturdidaktik mit Graphic Novels im DaF/DaZ-Unterricht
Im zweiten aktivierenden Vortrag soll aufgezeigt werden, wie Graphic Novels in den DaF/DaZ-Unterricht integriert werden können. Ziele, Auswahlkriterien und Beispiele werden mit Ansätzen der interkulturellen Literaturdidaktik diskutiert.
Prof. Dr. Ewout van der Knaap ist an der Universität Utrecht Lehrstuhlinhaber für deutschsprachige Literatur und Kultur, erforscht u.a. Erinnerungskultur, Gegenwartsliteratur und Literaturdidaktik. Er ist Autor des Buches „Literaturdidaktik im Sprachenunterricht“ (UTB, 2023).
Anmeldung bitte bei Julia Neubauer-Lipp (julia.neubauer-lipp@univie.ac.at)
Die Mythologisierung migrationsgesellschaftlicher Sprachverhältnisse
Gastvortrag von Dr. des. David Füllekruss
Universität Bielefeld
https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/erziehungswissenschaft/personen/fuellekruss/
Datum: Montag, 26.5.2025
Uhrzeit: 18:30 – 20:00 Uhr
Ort: Hörsaal 5, Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
Organisation: Univ.-Prof. Dr. İnci Dirim
Anmeldung bitte bis zum 15.5.2025 bei Julia Neubauer-Lipp (julia.neubauer-lipp@univie.ac.at)
‚Na ja, dann wird einem da auch gesagt, wie muss ich mich verhalten, wenn ich ein türkisches Haus betrete‘. Was ist interkulturell an interkulturellen Kompetenz-Trainings der Polizei?
Gastvortrag von Dr. Fatoș Atalı-Timmer
Universität Oldenburg
Datum: Montag, 16.6.2025
Uhrzeit: 18:30 – 20:00 Uhr
Ort: Hörsaal 5, Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
Organisation: Univ.-Prof. Dr. İnci Dirim
Anmeldung bitte bis zum 5.6. 2025 bei Julia Neubauer-Lipp (julia.neubauer-lipp@univie.ac.at)
Videokonferenzen für Deutsch als Fremdsprache und Förderung interaktionaler Kompetenz von Lernenden und Lehrenden
Gastvortrag: Makiko Hoshii (Waseda Universität, Tokio) und Nicole Schumacher (Humboldt-Universität zu Berlin)
Datum: Dienstag, 18.03.2025
Uhrzeit: 11.30 – 13:00 Uhr
Ort: Besprechungsraum 436, Porzellangasse 4, 4.Stock, Stiege 2
Organisation: Daniele Polizio BA MA
In diesem Vortrag geht es um das Lernpotenzial, das Interaktion per Videokonferenz in Deutsch als Fremdsprache für DaF-Lernende und angehende DaF-/DaZ-Lehrende bietet. Interaktionale Kompetenz ist nicht nur für Lernende, sondern auch für angehende Lehrende ein zentrales Lernziel. Präsentiert werden Ansätze und Ergebnisse aus einem Projekt, in dem fortgeschrittene DaF-Lernende der Waseda Universität in Tokio mit DaF-Studierenden der Humboldt-Universität zu Berlin ein Semester lang in einer gemeinsamen Lehrveranstaltung miteinander interagieren (Hoshii & Schumacher 2010, 2020, 2021). Es wird gezeigt, inwiefern das spezifische Setting mit Videokonferenzen in gemeinsamen Lehrveranstaltungen an zwei Universitäten die interaktionale Kompetenz aller Beteiligten sowie kollaboratives Sprachenlernern fördert. Ausgehend von Interaktionsanalysen und selbstreflexiven Daten der Teilnehmenden wird verdeutlicht, dass insbesondere die ausbalancierte, authentische Kommunikation sowie verschiedene Formate der Selbstreflexion zur Entwicklung interaktionaler Kompetenz beitragen.
Makiko Hoshii hat nach ihrem Germanistikstudium an der Tokyo University of Foreign Studies (TUFS) an der Dokkyo Universität in Soka/Japan promoviert. Während ihrer Promotion hat sie als DAAD-Jahresstipendiatin einen Studien- und Forschungsaufenthalt an der Humboldt-Universität zu Berlin verbracht. Seit 2001 lehrt und forscht sie an der juristischen Fakultät der Waseda Universität in Tokio im Bereich Deutsch als Fremdsprache und Linguistik in German Studies und Language and Information.
Nicole Schumacher hat Neuere deutsche Literatur und Italienisch an der Freien Universität Berlin studiert und an der Humboldt-Universität zu Berlin im Fach Germanistische Linguistik promoviert. Sie lehrt und forscht an der HU Berlin zu Interaktion, DaF- und DaZ-Didaktik, Mehrsprachigkeitsdidaktik, DaF- und DaZ-Erwerb und Registererwerb, koordiniert das Zertifikatsstudium Deutsch im Mehrsprachigkeitskontext und ist Teilprojektleiterin im Sonderforschungsbereich Register.
Literacy-Erwerb im Kontext von Mehrsprachigkeit bei erwachsenen Teilnehmenden in Alphabetisierungskursen
Gastvortrag von Christine Czinglar
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland
Datum: 16.12.2024
Uhrzeit: 09:45-11:15 Uhr
Ort: Seminarraum 1, Hauptgebäude, Tiefparterre, Stiege 9, Hof 3
Organisation: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm
Trotz hoher Teilnahmezahlen an DaZ-Alphabetisierungskursen ist nur wenig über den Schriftspracherwerb von erwachsenen Migrant:innen bekannt. Es fehlen großangelegte Studien, sowie forschungsbasierte Diagnose- und Bewertungsinstrumente, die die Grundlage für pädagogische Interventionen darstellen. Ausgehend von Ergebnissen des aktuellen Forschungsprojekts ELIKASA (Czinglar et al. 2022) werde ich einige Herausforderungen im zweitsprachlichen Literacy-Erwerb bei dieser vulnerablen Zielgruppe näher beleuchten. Die Lernendengruppe zeichnet sich durch eine hohe Heterogenität aus. Im Projekt ELIKASA wurden über 100 Teilnehmende in kontrastiven Alphabetisierungskursen des KASA-Projekts (https://kasa.giz.berlin/) untersucht, in denen bilinguale Lehrkräfte unter Rückgriff auf eine geteilte Herkunftssprache (Arabisch, Türkisch oder Farsi-Dari) Deutsch vermittelten. Lernende stehen vor der Herausforderung, sich sowohl technische als auch funktionale Literacy-Kompetenzen in der Zweitsprache (L2) anzueignen (Schramm 2022), wobei auf den Erwerbsprozess viele Einflussfaktoren wirken, wie z.B. der Grad an mündlichen Kenntnissen der L2 Deutsch, die Schulbildung, das Alter, sowie erstsprachliche (L1) Kompetenzen (Lemke-Ghafir et al. 2021). Anhand ausgewählter Ergebnisse gehe ich auf die Entwicklung technischer Literacy-Kompetenzen ein.
Christine Czinglar: Studium der Allgemeinen Sprachwissenschaft an der Universität Wien; 2004-2009 OeAD-Lektorat in Ungarn; 2013 Promotion mit einer Arbeit zum Einfluss des Alters auf den Erwerb der Verbstellung im Deutschen als Zweitsprache; 2012-2014 Key Researcher im WWTF-Projekt INPUT zum Input von drei- bis vierjährigen Kindern in der Familie und im Kindergarten in Wien; 2014-2018 Juniorprofessur DaFZ mit SP DaZ Universität Kassel; seit 2019 Professur DaF/DaZ Friedrich-Schiller-Universität Jena. Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Zweitspracherwerb, Mehrsprachigkeit, individuelle Differenzen unter Einbezug von Einflussfaktoren wie Alter, Input, literale Kompetenzen; Schriftspracherwerb gering literalisierter Erwachsener in Alphabetisierungskursen. E-Mail: christine.czinglar@uni-jena.de
Mixed-methods zur Erforschung mehrsprachiger Personen
Gastvortrag von Mandira Halder
Universität Genf und Universität Helsinki
Datum: Mittwoch, 13.11.2024
Uhrzeit: 13:15-14:45
Ort: Kolingasse 14-16, Seminarraum 5, EG00
Organisation: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm
Dieser Workshop soll Master-Studierenden im Fach Deutsch als Fremd-und Zweitsprache einen methodenübergreifenden Ansatz zur Suche nach „Meta-Inferenzen“ (Johnson, Ongwuegbuzie, & Turner, 2007) vorstellen, um die komplexen Realitäten mehrsprachiger Forschungsteilnehmer:innen zu erfassen. In dem ersten Teil des Workshops wird eine allgemeine Einführung in drei Forschungsmethoden gegeben, nämlich geschlossene Fragebögen, halbdirekte Interviews und Unterrichtsbeobachtungen. Es werden in diesem ersten Teil auch einige ethische Fragen behandelt, die sich in den Phasen des Forschungsprozesses ergeben, sowie die Beziehung zwischen Forscher:innen und Teilnehmenden und die Position der Forscher:innen. Der Workshop konzentriert sich hauptsächlich auf typische Unterschiede zwischen diesen Methoden in Bezug auf passende Forschungsgegenstände, Geltungsanspruch, Reichweite oder Verallgemeinerungspotenzial. Durch die Triangulation dieser verschiedenen Datenquellen, z. B. Fragebögen, Interviews und Unterrichtsbeobachtungen, erhalten die Studierenden einen Überblick über die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden. Dies ermöglicht es ihnen, Erkenntnisse zu sammeln, um fundierte Entscheidungen über eine oder mehrere Forschungsmethoden zu treffen, während sie Daten für ihre Forschung im Zusammenhang mit ihren Masterarbeiten sammeln können. Zwei Kodierungsverfahren (Saldaña, 2016) und eine Synopse (Cordeiro, Ronveaux, & GRAFE, 2009) als rekonstruktive Methode zur Zusammenfassung von Unterrichtsbeobachtungssequenzen werden ebenfalls vorgestellt und diskutiert. In dem zweiten Teil des Workshops wird die Interpretation einiger Datenproben durch Kodierung und Rekonstruktion aus Fragebögen, Interviews und Beobachtungsprotokollen diskutiert und veranschaulicht. Die Teilnehmenden können auch spezifische Fragen und Probleme im Zusammenhang mit ihren Qualifikationsprojekten ansprechen.
Cordeiro, G. S., Ronveaux, C., & GRAFE, é. (2009). Recueil et traitement de données. In B. Schneuwly & J. Dolz (Eds.), Les objets enseignés en classe de français (pp. 77-90). Presses Universitaires de Rennes.
Johnson, R. B., Ongwuegbuzie, A. J., & Turner, L. A. (2007). Towards a definition of Mixed Methods Research. Journal of Mixed Methods Research, 1(2), 112-133. https://doi.org/10.1177/1558689806298224
Saldaña, J. (2016). The Coding Manual for Qualitative Researchers (J. Saldaña, Ed. 3e ed.).
Mandira Halder, PhD (Universität Genf, Schweiz), ist Postdoktorandin, deren Arbeit zum Thema „Schwedisch als Zweitsprache für nicht-weiße Migrantenschüler:innen in einem schwedischen Minderheitskontext in Finland: ein alternativer Weg zur Zugehörigkeit?“ von der Svenskaliteratursällskapet i Finland (Gesellschaft für schwedische Literatur in Finnland) finanziert wird. Ihre Doktorarbeit in den Erziehungswissenschaften befasste sich mit der Mehrsprachigkeit von angehenden Lehrenden und Deutsch als Zweit-/Fremdsprache in der französischsprachigen Schweiz.
Professuren
- İnci DirimUniv.-Prof. für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
- Karen SchrammUniv.-Prof. für Deutsch als Fremd- und ZweitspracheVize-Studienprogrammleiterin Doktorat
Ass.-Prof. · Assoz. Prof. · ao. Univ.-Prof.
- Hannes SchweigerAssoz. Prof. für Deutsch als Fremd- und ZweitspracheStellvertretender Institutsvorstand
Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (post doc)
- Marlene Aufgebauer
- Verena Blaschitz
- Michal DvoreckýStudienprogrammleiter
- Ulrike Titelbach
- Olena Vasylchenko
Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (prae doc)
Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (Projekte)
- Jelena Altomare
- Gülsah Hizli
- Veronika Höbart
- Lisa Horak
- Nermin Mahic
- Amina Račević
- Natascha Vulinović
- Miriam Weidl
Lehrbeauftragte
- Sabine Dengscherz
- Thomas Fritz
- Sorin Gadeanu
- Assimina Gouma
- Rainer Hawlik
- Nicola Kraml
- Gabriel Kummenecker
- Anna Lasselsberger
- Martina März
- Beatrice Müller
- Verena Plutzar
- Anne Pritchard-Smith
- Sandra Reitbrecht
- Frano-Petar Rismondo
- Brigitte Sorger
- Georg Traska
- Anke Wegner
- Karin Wetschanow
Emeriti · Im Ruhestand
- Renate FaistauerProf. i.R. für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
- Hans-Jürgen Krummemer. o. Univ.-Prof. für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
Portrait
Arbeitsbereich Deutsch als Fremdsprache
Ansprechpartnerin für Deutsch als Fremdsprache: Univ.-Prof. Dr. Karen Schramm
